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Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am:18.02.2008

Das Lama - ein «Vielzwecktier»

Lamas und Alpakas zählen weltweit zu den ältesten Haustieren. Vor etwas mehr als 7000 Jahren begannen die Bewohner der südamerikanischen Andengebiete die Guanakos und Vikunjas zu domestizieren. Urahne unserer Lamas ist das Guanako und aus dem Vikunja entwickelte sich das Alpaka. Doch weil diese vier Arten untereinander paarungsfähig sind, ist davon auszugehen, dass die heutigen Formen gezielt oder unbewusst mehr oder weniger stark durchmischt sind.

Forscher nehmen an, dass die Indianer bereits die Wildform des Guanakos als Tragtier nutzten. Mit der Selektion auf Grösse und kräftigen Körperbau entwickelte sich allmählich ein eigentliches Lasttier, das Lama. Die Auslese prägt noch heute die Charaktereigenschaften, sind für Arbeitseinsätze doch ruhige, zutrauliche, gutmütige und aufmerksam Tiere gefragt.

Nicht minder grosse Bedeutung haben die Lamas seit jeher als Lieferanten von hochwertigem Fleisch und von Häuten.

Ausserhalb Südamerikas machen sich die Halter und Züchter die vielfältigen Eigenschaft der Lamas zu Nutzen. Dabei ist die Motivation, weshalb Lamas (und weshalb welcher Typ von Lama) gehalten werden, völlig unterschiedlich.

Freizeit und Hobby

Wo nur kleinere Landflächen oder eingeschränkte Stallungsmöglichkeiten vorhanden sind, werden zwei oder mehr Lamas meist ganz einfach aus Freude an der Kreatur gehalten. Mit ihrem freundlichen, neugierigen und zugleich nahezu lautlosen Wesen sind sie aufmerksame, besänftigende Gesellschafter, oft auch Schmusetiere. Gut erzogen und trainiert sind Lamas gutmütige und willige Begleiter auf Wanderungen über Stock und Stein.

Trekking

Beim Trekking dürfen Lamas das tun, wofür sie seit jeher herangezogen wurden: Menschen begleiten und Lasten tragen. Als Faustregel gilt, dass Lamas mit maximal 20 % ihres Körpergewichts beladen werden können, stets unter Beachtung der Kondition, des Geländes oder der Witterungsverhältnisse.

Trekkinglamas müssen für ihre Aufgabe trainiert werden und einigermassen regelmässig im Einsatz stehen. Auch hier gilt: Übung macht den Meister! Lamas sind auch in schwierigem Gelände ausserordentlich trittsicher und wenig schreckhaft.

Lamazucht

Die Lamazucht ist eine interessante, spannende, in jedem Fall eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. Die sehr langen Reproduktionszyklen bei Kameliden setzen Geduld und Ausdauer voraus. Und weil Abstammungen selten über mehr als 2 oder 3 Generationen dokumentiert sind, hält die Genetik viele Überraschungen bereit.

Wer zu Beginn der Zuchttätigkeit vor Investitionen zurückschreckt, bezahlt in der Regel sehr teures Lehrgeld. Dieses Risiko kann deutlich reduziert werden, wenn qualitativ hochwertige Zuchttuten und gleichwertige Zuchthengste eingesetzt werden. Zu empfehlen ist zudem, sich auf einen Lama-Typ zu konzentrieren und von Durchmischungen abzusehen.

Landwirtschaftliches Nutztier

Lamas sind sehr genügsame Weidetiere, die keine übermässigen Ansprüche an die Futtergrundlage und die Stallungen stellen. Trotzdem bedürfen sie ausreichender und artgerechter Hege und Pflege, wie dies in den Halterichtlinien des Bundes festgelegt ist.

Lamas eignen sich ausgezeichnet als grasnarbenschonende Landschaftspfleger, die zugleich mit Verbiss der Verbuschung entgegen wirken. Selbst in unwegsamem, steilem Gelände verursachen sie mit ihren Schwielensohlen (weiche Ledersohlen) kaum Trittschäden. Sie gelten als landwirtschaftliche Nutztiere und sind beitragsberechtigt. Zusätzlich können Erträge erwirtschaftet werden aus: Verkauf Nachzucht, Schlachtung oder beispielsweise Trekkingangeboten.

Therapie

Wegen ihrem gutmütigen, aufmerksamen und vertraulichen Wesen eignen sich Lamas in hervorragender Weise zum Einsatz bei therapeutischen Aktivitäten. Allein schon mit ihrer faszinierenden Ausstrahlung üben sie eine aufbauende Wirkung auf Menschen aus. Deshalb kann der Einsatz von Lamas besonders bei der Betreuung von Behinderten, Kindern, Senioren oder Kranken nur empfohlen werden.

Es versteht sich von selbst, dass für solche therapeutische Aufgaben vorgesehene Tiere über überdurchschnittlich gute Charaktereigenschaften und eine speziell gute Schulung verfügen müssen. Verfügt die Führperson nicht über eine geeignete Ausbildung, ist die Begleitung durch eine ausgewiesene pädagogisch-psychologische (eventuell medizinische) Fachperson empfehlenswert.

Lamafaser

Landläufig wird das Kleid von Lamas und Alpakas als "Wolle" bezeichnet. Dies ist nicht korrekt, weil die Kamelidenfaser ein Haar ist. Auf den ersten Blick auffälligste Unterschiede zur Schafwolle sind der nahezu fehlende Fettgehalt und die seidene Weichheit des Vlies.

Die Faser von Wolly-Lamas eignet sich gut für eine vielfältige handwerkliche Verarbeitung. Gefragt sind Kamelidenfasern besonders auch als Füllmaterial, deren Vorzüge bestehen im sehr geringen Gewicht und der temperaturausgleichenden Eigenschaft.

Einer erfolgversprechenden kommerziellen Nutzung steht in Europa das Verhältnis von Aufwand und Ertrag entgegen. Dazu sind auch die Mengen in den verschiedenen Feinheitsklassen zu gering. Der aus dem Verkauf zu lösende Ertrag darf als kleiner Unkostenbeitrag bezeichnet werden.

Fleisch

Kamelidenfleisch ist äusserst fett- und cholesterinarm und damit ein der Gesundheit sehr zuträgliches Fleisch. Geschmacklich ist das Fleisch vergleichbar mit Rindfleisch mit einem wildähnlichen Aroma. Für eine vielfältige und optimale Nutzung in der Küche ist eine fachgerechte Zerlegung des Schlachtkörpers (Ausbeute etwas über 45 %) von Bedeutung. Eine Delikatesse erster Güte stellt aus den Keulen hergestelltes Trockenfleisch dar.

In entfernten Winkeln in Südamerika dient das Lama immer noch als Tragtier. Doch die überwiegende Zahl der schätzungsweise drei Millionen Lamas werden heutzutage für die Fleisch- und die Fellproduktion gehalten. Fehlen moderne Konservierungsmöglichkeiten, wird das Fleisch nach wie vor auf traditionelle Weise luftgetrocknet.

Ausserhalb Südamerikas wird die Schlachtung sehr kontrovers diskutiert. Von Gegnern wird dabei übersehen, dass rund 50 % der Nachzucht Hengste sind, die spätestens mit dem Erreichen der Geschlechtsreife nicht mehr in der Herde verbleiben können. Auf vielen Betrieben ist es nicht möglich, in angemessener Distanz zu den Stuten eine separate Hengstherde zu halten oder die Herde würde mit der Zeit viel zu gross. Eignen sich Hengste nicht zur Zucht und lassen sich aus den unterschiedlichsten Gründen keine Abnehmer finden, bleibt nur der Weg zur Schlachtbank. Dies alles gilt auch für Stuten, die sich nicht zur Zucht eignen. Im Endeffekt muss jeder Besitzer von Lamas selber entscheiden, ob er der früher oder später auf ihn zukommenden Schlachtproblematik ausweichen will, indem er auf das Decken und damit auf eigene Nachzucht verzichtet.